Training in der Schwangerschaft
Man möchte meinen, die Schwangerschaft beeinträchtigt das Leistungsvermögen einer Frau negativ und schwächt den Körper, doch im submaximalen Intensitätsbereich, das heißt, bei einer Anstrengung, die etwa 80% der eigentlichen maximalen Leistungsfähigkeit beträgt, ist dies nicht der Fall. Im Gegenteil, die Leistungsfähigkeit der Frau ist in diesem Bereich sogar erhöht.
Dies wurde bereits 1983 von Collins, Curen und Mullin festgestellt und gilt für trainierte wie nichttrainierte Frauen gleichermaßen. Von diesen Ärzten und Wissenschaftlern wird die These vertreten, dass eine Schwangerschaft durch die Belastungen und veränderten Bedingungen, die sie für den Körper der Frau darstellt, einem Ausdauertraining gleicht. Training im maximalen Leistungsbereich schadet jedoch dem Fötus und etwaige weitere positive oder negative Auswirkungen wurden diesbezüglich nicht untersucht.
Desweiteren zeigen einige Studien auf, dass die Gewichtszunahme, die mit einer Schwangerschaft unweigerlich verbunden ist, ebenso einen Trainingseffekt hat. Während der Schwangerschaft werden Relaxin und Östrogene ausgeschüttet und bewirken eine steigende Entspannung des Bandapparates. Gleichzeitig werden die Gelenkknorpel weicher und die Gelenke im Bereich des Beckens weiten sich durch eine Zunahme der Gelenkflüssigkeit. Dies wird nötig, da sich der Körper der Frau an den Fötus anpassen muss und somit auch die Geburt erleichtert wird. Insgesamt ist nun der Körper beweglicher, was auch schneller zu Verletzungen, wie beispielsweise Bänderdehnungen durch die große Instabilität führen kann.
Zuviel schadet dem Fötus
In den letzten Schwangerschaftsmonaten lagert sich Wasser im Bindegewebe ein, was zu einer reduzierten Beweglichkeit an den Fuß- und Handgelenken führen kann. Folgen davon sind Ödeme und Nervenfunktionsstörungen an Händen und Füßen oder Muskelschwächen und das sogenannte Karpatunnelsyndrom. Hierbei kommt es über Flüssigkeitseinlagerung im Bereich des Handgelenks zur Druckzunahme unter der Faszie. Dadurch werden die Handnerven beeinträchtigt oder können sogar beschädigt werden. Wegen dieser Beeinträchtigung der Gelenke haben oft Frauen Probleme, die erst während der Schwangerschaft mit dem Training beginnen.
Schwangerschaftshochdruck
Zu Beginn der Schwangerschaft fällt der Blutdruck durch die erhöhte Pogesteronausschüttung ab, normalisiert sich jedoch mit der Zeit wieder. In einigen Fällen kann er auch zu hoch steigen. Dieser sogenannte Schwangerschaftshochdruck kann als „Präeklampsie“ sehr ernste Verlaufsformen nehmen. Zeigt sich dieses Symptom, sollte es regelmäßig untersucht und vor allem bei körperlicher Belastung überwacht werden. Ebenso wie das Herzminutenvolumen steigt bei der Schwangeren auch das Blutvolumen in der sechsten bis achten Woche und kann bis zu 40 bis 50% Anstieg betragen. Relativ zum Blutvolumen, das durch Plasmavermehrung um bis zu 50% steigen kann, erfahren die roten Blutkörperchen (Erythroyten) nur eine geringe Vermehrung von etwa 20%.
Das Verhältnis zwischen der Zahl der roten Blutkörperchen und dem Blutvolumen sinkt dabei auf etwa 35% ab. Man möchte meinen, dass die Abnahme der roten Blutkörperchen zu einer verringerten Sauerstoffzufuhr zu den Organen führt, doch durch die Steigerung des Herzminutenvolumens wird erreicht, dass das Sauerstoffangebot größer als der Verbrauch ist. Dies ist der Grund für die sinkende Sauerstoffdifferenz zwischen Arterien- und Venenblut in den ersten sechs Monaten. Während der letzten Schwangerschaftsphase nimmt die Sauerstoffzunahme stetig zu, während das Herzminutenvolumen in sitzender und liegender Position abnimmt und die Sauerstoffdifferenz zwischen Arterien- und Venenblut steigt.
Ursachen verschieden
Die Ursachen für die Steigerung des Herzminutenvolumens sind von Frau zu Frau verschieden und sind entweder auf eine Erhöhung des Schlagvolumens oder eine Beschleunigung der Herzfrequenz zurückzuführen. Ist eine Frau Nichtraucherin, so vergrößert sich das Herzvolumen während der Schwangerschaft durchschnittlich von 70 auf 80ml. Dies begründet sich in einer größeren Fülle des Herzens in der Diastole und einer Hypertrophie des Herzmuskels. Durch die erhöhte Erregbarkeit des Herzens kann es nun zu Herz-Rhythmus-Störungen kommen und eine Überwachung während körperlicher Anstrengung ist nötig, um Gefahren für Frau und Fötus zu vermeiden. Da die Belastungen durch die Schwangerschaft denen des Sports ähneln, bewirken sie ebenso einen erhöhten Energieverbrauch.
Der Fötus benötigt hauptsächlich Glukose, die während körperlicher Belastung für das Gehirn von Frau und Fötus bereitgestellt werden muss. Zudem müssen noch Kohlenhydrate für die Muskulatur der Schwangeren zur Verfügung stehen. Während des Sports, vor allem bei einem länger andauernden submaximalen Training, ist die Gefahr der Unterzuckerung (Hypoglykämie) groß. Die Fötusentwicklung kann beeinträchtigt werden. Es ist sinnvoll, das Training mit mehreren drei- bis fünfminütigen Pausen aufzulockern, um den Blutglukose-Speicher immer auf hohem Niveau zu halten.
Diese Pausen können mittels eines Computersystems, wie Train Performance, optimal und individuell in den Trainingsplan aufgenommen werden. Durch einen Lactat-Test kann man eine bestimmte Schwelle ermitteln, an der Fett zur Energieversorgung herangezogen werden kann und somit die Kohlenhydratreserven der Mutter geschont werden. Um diesen Lactat-Spiegel zu ermitteln, muss der werdenden Mutter unter Belastung Blut entnommen werden, wobei die in dieser Leistungsstufe ermittelte Herzfrequenz als Trainingsobergrenze gilt.
